Orientalischer Tanz.

Orientalischer Tanz, Raks Sharki, Raks Baladi?


Diesen Begriffen begegnet man meist nur in der so genannten "Szene". Im Allgemeinen und beim Plaudern mit "normalen" Menschen (ihr habt es geahnt, ich meine hier Nicht-Tänzer, ;-) ) ist diese wundervolle und vielfältige Art der Bewegung als "Bauchtanz" bekannt. Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Bezeichnungen?

Wo liegt der Ursprung?


Sehr interessante Informationen fand ich dazu unter www.bauchtanzinfo.de, von Djamila M. Kotsch. Diese werde ich im Folgenden wiedergeben.

Ein französischer Orientreisender begründete den Namen "Bauchtanz", für eine Bewegungsform, die keineswegs nur auf den Bauch zu reduzieren ist. Scheinbar waren aber die Bewegungen des Bauches für ihn so dominant und faszinierend (wer will es ihm verübeln?), dass er den Begriff "Raks Sharki" 1880 ins Französische mit "Danse du ventre" übersetzte.

Die Bewegungen des Bauches ließen ihn vergessen machen, dass dieser Tanz Beine, Becken, Knie,  Kopf, Arme und Hände in sich vereint. Die eigentliche Bedeutung "Östlicher Tanz" oder "Tanz des Ostens" trat völlig in den Hintergrund.

Von den Amerikanern als "belly dance" ins Englische übersetzt, tauchte einige Jahre später der Begriff "Bauchtanz" im deutschsprachigen Raum auf.

Die Ganzheitlichkeit des Körpers


Auch wenn der Begriff des "Bauchtanz" bis heute bekannter ist, bevorzugen die meisten Tänzerinnen doch den Ausdruck "Orientalischer Tanz". Der Begriff "Bauchtanz" ist zum einen irreführend, da es ja um die Ganzheitlichkeit des Körpers (und letztlich auch der Psyche) geht. Zum anderen ist er immer noch mit vielen Vorurteilen besetzt ist. Dieser Trend ist auch unter englisch- und französischsprachigen Tänzerinnen zu beobachten ("middle eastern dance", "oriental dance", "danse orientale").

In Ägypten ist der Tanz bis heute als "Raks Sharki" (Raqs Sharqi) bekannt, der volkstümliche Tanz wird als "Raks Baladi" bezeichnet.

Über die Ursprünge des orientalischen Tanzes gibt es wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Vermutlich ist dieser Tanz aus einem Fruchtbarkeitsritus entstanden ist. Es gibt auch Hinweise auf rituelle oder religiöse Tänze. Diese Tänze verehren das Weibliche und die Muttergöttin. Ob diese Tänze dem heutigen Bauchtanz ähneln, ist unbekannt. Die lustbetonten und sinnlichen Bewegungen des Beckens und der Hüfte sind jedoch bis heute Bestandteile des orientalischen Tanzes.

Quelle: www.bauchtanzinfo.de

Die Ursprünge des Raks Sharki


Informationen über den Ursprung des Raks Sharki in Ägypten fand ich auf www.bellypedia.de:

"Raqs Sharqi geht auf die Musik und den Tanz zurück, welcher an den adligen Höfen und in den reichen Häusern Ägyptens gepflegt wurde. Im Gegensatz dazu war Baladi ursprünglich die Kunst des einfachen Volkes.

Professionelle höfische Unterhalterinnen und Lehrerinnen in Musik, Tanz, Dichtung und Gesang nannte man "Awalim". Sie waren es, die an adligen Höfen mit einem kleinen Musikensemble auftraten und eine verfeinerte Kunstform darboten, Es war in früheren Zeiten Ihre Aufgabe den Adel mit ihren Darbietungen zu unterhalten.

Später wurde diese Tradition in den Häusern der gesellschaftlichen Elite fortgesetzt. Der heutige Raqs Sharqi enthält deutlich Elemente des Balletts." 

Quelle: www.bellypedia.de

Der Orientalische Tanz heute

Heute gibt es erstklassige Oriental-Tänzer/innen nicht ausschließlich im Orient! Sowohl in Europa, in den USA und natürlich auch im Orient, besonders in Ägypten, gibt es weltweit bekannte Projekte, Ensembles (Bellyqueen, Bellydance Superstars)und Tänzerinnen (Dina, Lucy, Fifi Abdou).

Vielmehr unterscheiden sich sowohl der Geschmack des Publikums, als auch die Darbietungen der Tänzerinnen im westlichen und orientalischen Kulturkreis enorm. Im arabischen Raum kann eine Tänzerin ein Orchester, das bis zu einer Stunde in einem Stück improvisiert, begleiten und das Musikstück tänzerisch interpretieren. Dies sind natürlich Extreme, doch empfindet ein Europäer die arabischen Soli als außergewöhnlich lang, und die Gefahr besteht, dass seine Aufmerksamkeit und / oder sein Interesse abschweift.

Das westliche Auge und Ohr ist an schnellere Abwechslung gewöhnt. Um die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln, sollte eine westliche Tänzerin ihre Stücke also kürzer fassen. Auch die Musikauswahl sollte dem Geschmack des Publikums angepasst sein.  Hier ist natürlich zwischen fachkundigem und Laienpublikum zu unterscheiden. Während sich die Fachkundigen natürlich an einem Baladi in Originallänge oder anderen Folklorestücken erfreuen, ist das Laienpublikum doch an die europäischen Klänge gewöhnt. Besonders beliebt sind daher – bei Hochzeiten, Geburtstagen, o.ä. – Oriental-Pop-Stücke (moderne arabische Popmusik) oder  beeindruckende Trommelsoli. Auch die Tanztechnik vermischt sich zunehmend mit westlich bekannten Tanzstilen, wie Ballett, Modern, Jazz (www.jom-dance.de), und sogar Stepptanz (siehe „Oriental-Tap-Fusion“).